Seegras ein Reisemangel? Reisepreisminderung möglich

Bei Fernreisen nimmt man oft einen langen Weg auf sich und greift nicht selten hierfür tief ins Portemonnaie. Die Vorfreude ist groß, aber was tun, wenn vor Ort nicht alles so ist, wie es im Reisekatalog beschrieben wird?

Manchmal kann man auch einiges zwischen den Zeilen lesen. Bei Formulierungen wie „verkehrsgünstige Lage“ sollten bei Urlaubern, die eher ein ruhiges Hotel bevorzugen, die Alarmglocken läuten. In so einem Fall wäre von einer Buchung abzuraten. Sollte der Reise seine Buchung durch ein Reisebüro vornehmen lassen, so wird der Kunde in der Regel davon ausgehen können, dass das Personal dahingehend berät, um den Kunden ein auf seine persönlichen Bedürfnisse bestmögliches Angebot zu unterbreiten. 

Die Frage ist, wie viel Verantwortung der Reiseveranstalter trägt, wenn Urlauber ein Fernziel ansteuern mit dem Wunsch nach Bademöglichkeit im Meer und vor Ort feststellen müssen, dass – wie zurzeit zum Beispiel in Mexico – das Baden im Meer teilweise nicht einmal gestattet ist. Aufgrund der Klimaerwärmung in den vergangenen Jahren kommt es zu Veränderungen in unserem Ökosystemen. Der Ozean und unsere Meere bleiben davon selbstverständlich nicht unberührt. So wie jüngst in Mexiko, Tulum. Vor einigen Jahren noch zum schönsten Strand der Welt ausgezeichnet, entwickelten sich Tulum und umliegende Orte auf der Yucatan Halbinsel zu einem internationalen Hotspot. Seit einiger Zeit gibt es auf der Yucatan Halbinsel ein gravierendes Seegras Problem. Es wird tonnenweise angespült, an Baden im Meer ist nicht zu denken. 

Muss der Reiseveranstalter vor Antritt der Reise den Reisenden darüber informieren, dass sich der gewünschte Urlaubsort zum Baden eventuell gerade nicht eignet? Muss der Reiseveranstalter dem Reisenden eine alternative Destination anbieten, sodass der Reisende gegebenenfalls seine Reise sogar noch vor Reiseantritt umbuchen kann? 

Bei Reisen nach Mexico City oder Cancun werden die Reisenden bei einer Buchung durch das Reisebüro darauf hingewiesen, dass diese Städte nicht ungefährlich sind und den Urlaubern davon abgeraten wird, die Hotelanlage zu verlassen, zumindest sollten Reisen in bestimmten Gegenden gemieden werden und die Reisenden keine Wertgegenstände wie sichtbaren Schmuck tragen.

Aber wie sieht es nun mit dem Seegras aus? Die meisten Betreiber der Hotelanlagen bemühen sich darum, dass Seegras zu entfernen, jedoch kommt man gegen die Gewalt der Natur selten an. Jeden Tag werden tonnenweise Seegras angeschwemmt, was man als Reisender leider erst vor Ort feststellen. Also was tun?

Als erstes ist der Gang zum Reiseleiter vor Ort unumgänglich. Oft kann auch vor Ort eine Umbuchung an einen anderen Ort, welcher gegebenenfalls weniger von der Seegras Plage betroffen ist, vorgenommen werden. In jedem Fall sollte man aber eine Beschwerde aufnehmen und sich hierüber eine Kopie geben lassen. So können Sie dann, wenn sie wieder zurück in Deutschland sind, sich selbst an den Reiseveranstalter wenden um eine Preisminderung geltend machen.

Aber wann liegt ein Reisemangel tatsächlich vor? Von einem Reisemangel ist dann auszugehen, wenn die im Reisevertrag vereinbarte Leistung nicht, nicht vollständig oder anders als vereinbart abbracht wird.

Zuerst sollte man dem Reiseveranstalter die Möglichkeit einräumen, den vorliegenden Reisemangel zu beseitigen. Deswegen sollte man sich als aller erstes vor Ort an den Reiseveranstalter – Reiseleitung vor Ort – wenden. Eventuell kann dieser sich bei bestimmten Mängeln mit dem Hotel direkt in Verbindung setzen, um Abhilfe zu leisten. Notfalls kann man auch auf einen Hotelwechsel bestehen.

Wenn dies nicht möglich ist, haben Sie einen Anspruch auf Entschädigung wegen der vorhandenen Reisemängel beziehungsweise Anspruch auf Reisepreisminderung.

Der Anspruch auf Entschädigung beziehungsweise Reisepreisminderung wird erst nach Rückkehr aus dem Urlaub geltend gemacht.

Früher galt die Frist von einem Monat nach Rückkehr aus der gebuchten Reise, während der man spätestens seinen Anspruch schriftlich beim Reiseveranstalter geltend machen musste. Mit der Reform des Reiserechts 2018 wurde diese Frist von einem Monat nunmehr auf zwei Jahre verlängert. Trotzdem sollte man mit der Geltendmachung der Ansprüche nicht zu lange warten, denn die Reiseveranstalter lassen sich bei der Bearbeitung von Reiseminderungsansprüchen nicht selten monatelang Zeit.

Als Orientierung, in welcher Höhe Sie Ansprüche geltend machen können, sollten die sich an der Frankfurter Tabelle orientieren. Diese finden Sie online, wenn wir bei Google danach suchen. 

Gerne stehe ich Ihnen in Ihrem individuellen Fall beratend zu Verfügung.